Stimmt es, dass Milchprodukte die Kalziumausscheidung fördern?

Immer wieder sind Meldungen zu hören, Milch fördere aufgrund ihres hohen Eiweißgehaltes die Kalziumausscheidung über die Niere und könne daher kaum zur Kalziumversorgung des Körpers beitragen.

Klar erwiesen ist, dass eine zu hohe Eiweißzufuhr die Kalziumausscheidung über die Niere verstärkt und somit die Kalziumbilanz verschlechtert. Längerfristig würde das fehlende Kalzium einen verstärkten Abbau der Knochenmasse nach sich ziehen. Als eigentliche Verursacher einer vermehrten Kalziumausscheidung werden vor allem bestimmte Eiweißbausteine, die schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cystein, verantwortlich gemacht, die durch ihren Schwefelanteil die Rückresorption von Kalzium in der Niere stören. Methionin und Cystein kommen grundsätzlich vor allem in tierischem Eiweiß reichlich vor. In der Kuhmilch sind diese beiden Aminosäuren aber nur zu einem geringen Prozentsatz enthalten (insgesamt ca. 3,7 g/100 g Milcheiweiß). Die Aminosäure Lysin, ebenfalls Bestandteil der Milch, steigert dagegen die Kalziumaufnahme im Darm und die Rückresorption des Kalziums in der Niere. Außerdem verringert Phosphat, welches reichlich in der Milch enthalten ist, ebenfalls die Kalziumausscheidung über die Niere.

Fazit:
Die empfohlene Eiweißaufnahme von 0,8g/kg Körpergewicht und Tag sollte langfristig nicht überschritten werden. Daher ist speziell bei Eiweißsupplementen, die häufig von Sportlern zusätzlich zur normalen Ernährung konsumiert werden, Vorsicht geboten.
Milch und Milchprodukte stören jedoch im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung keinesfalls die Kalziumaufnahme im Körper – im Gegenteil: sie ermöglichen durch ihre Zusammensetzung eine optimale Verwertung des unentbehrlichen Knochenminerals.

Literatur:
Elmadfa I., Leitzmann C.: Die Ernährung des Menschen. Ulmer 1998
Kasper H.: Ernährungsmedizin und Diätetik. Urban & Fischer 2000
Pfeuffer M., de Vrese M., Schrezenmeir J.: Das aktuelle Interview: Milch. Ernährungsumschau 1999; 9: B40
Zittermann A: Pathogenese und Prävention der postmenopausalen Osteoporose; Teil II: Präventive Maßnahmen. Ernährungsumschau 44 (1997): 51-57


Quelle:
Mit freundlicher Genehmigung der Agrarmarkt Austria Marketing GesmbH (AMA), Wien.
Verfasserin: Mag. Sabine Bisovsky
Weitere Informationen und Broschüren unter: www.ama.at